Ich bekenne, dass ich es sehr schätze, mit der Deutschen Bahn zu reisen. Auf diese Weise sind mir schon viele absurde Erlebnisse zuteil geworden. Und wo hat man das noch? Sporthotels für Haustiere und Scheidungsmessen mal nicht mitgezählt.
Eben am DB-Schalter im Salzburger Hauptbahnhof: ich bedauere dem Schalterbeamten gegenüber, dass mein online gebuchtes Ticket im virtuellen Orbit verschwunden ist. Was er denn jetzt tun könne, um mir zu helfen?
Ich solle doch bitte zu einem Automaten gehen, rät mir der Mann. Da könnte ich ja ein neues Ticket kaufen.
Mit Verwunderung stelle ich fest, dass der Fahrscheinverkauf durch lebende Menschen nicht mehr möglich ist, erkläre dem Mann aber lediglich, dass ich kein neues Ticket kaufen möchte, schließlich besäße ich ja schon eins. Zum Beweis schiebe ich ihm die Buchungsbestätigung zu. Hier meine Auftragsnummer. Und dort die Mitteilung, dass meine Kreditkarte belastet wurde.
Der Mann studiert das Schreiben mit nachdenklich gerunzelter Stirn. Eine geschlagene Minute vergeht. „Gehen Sie in ein Internetcafé!“, rät er mir schließlich. „Sie haben Ihr Ticket ja im Internet gekauft. Dann kommt es auch aus dem Internet wieder raus!“
„Dieses hier ja nicht“, antworte ich.
„Aha, hmhm“, sagt er. Und plötzlich hellen sich seine Züge auf. „Rufen Sie doch einfach da mal an!“ Er deutet auf die Nummer der DB-Hotline. Ich erwidere, dass das Anwählen der Hotline 14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz kostet und dass ich bloß ein Handy habe und in Österreich bin. „Können Sie das nicht vielleicht machen?“, frage ich und rufe ihm ins Gedächtnis, dass ich ja seine Kundin bin.
Könne er nicht, sagt er.
„Sicherlich können Sie aber eine andere Nummer anrufen, unter der Ihnen jemand sagen kann, wie man in solchen Fällen verfährt?“
Auch das verneint der Mann.
„Aber…“ Langsam fehlen mir die Worte. „Wie machen Sie das denn so, wenn Sie mal mit, äh… Kollegen sprechen wollen?“
„Ich kann da nichts tun. Ich habe kein Internet.“
„Ja, aber… Telefon?!“
„Auch nicht.“
„Sie haben also KEINEN Kontakt zu Ihrem Unternehmen?“, frage ich verwundert.
„Gar keinen“, bestätigt er.
Ich sehe mich nach der versteckten Kamera um.
Aber da ist nur ein großes Nichts.